Künstliche Intelligenz ist das Wort der Stunde. Kaum ein Unternehmen, kaum eine Konferenz, kaum ein Presseartikel, der ohne „AI“ auskommt. Wer derzeit kein KI-Projekt in der Schublade hat, gilt schon fast als rückständig. Doch wenn man sich nüchtern die bekannte Gartner-Kurve anschaut, sind wir genau dort angekommen: am Gipfel der überzogenen Erwartungen.
Der Hype Cycle: Vom Rausch ins Tal
Der „Hype Cycle“ von Gartner ist ein Modell, um technologische Entwicklungen zu bewerten. Er zeigt, dass neue Technologien meist einen wiederkehrenden Weg nehmen:
- Technologischer Auslöser – eine Innovation kommt auf, erste Prototypen erscheinen.
- Gipfel der überzogenen Erwartungen – Euphorie, Medienhype, Investorenrausch.
- Tal der Enttäuschungen – Projekte scheitern, Kosten explodieren, Nutzer springen ab.
- Pfad der Erleuchtung – erste sinnvolle und tragfähige Anwendungen entstehen.
- Plateau der Produktivität – die Technologie wird Teil des Alltags, stabil und unspektakulär.
KI ist aktuell ganz oben auf dem Berg. Das bedeutet: die Ernüchterung wird kommen.
Erste Bruchstellen: Gescheiterte KI-Projekte
Dass viele Vorhaben grandios scheitern, zeigt die Praxis:
- IBM Watson Health: sollte das Gesundheitswesen revolutionieren, blieb aber hinter den Erwartungen zurück und wurde letztlich zurückgefahren.
- Amazon Rekrutierungs-KI: sollte Bewerbungen objektiv bewerten, entpuppte sich als voreingenommen gegen Frauen – Projekt eingestellt.
- Microsoft Tay: ein Chatbot, der in wenigen Stunden durch User-Interaktionen rassistisch und unbrauchbar wurde.
Diese Fälle sind keine Ausnahmen, sondern symptomatisch für überzogene Erwartungen und zu wenig Realismus bei der Einführung.
Globale Dimension: China drängt nach vorn
Hinzu kommt, dass nicht nur US-Techriesen im Spiel sind. Chinesische Unternehmen wie Baidu, Alibaba und Tencent investieren massiv in generative KI. Die Konkurrenz ist politisch gewollt, finanziell stark unterstützt und technologisch immer näher dran. Auch europäische Marken geraten zunehmend unter Druck, wenn bekannte Namen von chinesischen Investoren übernommen werden. Der KI-Hype ist also längst geopolitisch aufgeladen – mit allen Risiken für Märkte und Investoren.
Auswirkungen auf die Börsen
Die Börse spiegelt den Hype in Reinkultur wider:
- Nvidia ist zur vielleicht wichtigsten Aktie des Planeten geworden. Aber: was passiert, wenn die Nachfrage schwächer ausfällt oder Mitbewerber aus China nachziehen?
- Microsoft, Meta, Alphabet sind KI-getrieben auf Höchstständen. Jeder Rückschlag bei KI-Projekten könnte Milliarden an Börsenwert vernichten.
- S&P 500 und Nasdaq sind extrem abhängig von den „Magnificent Seven“. Ein Einbruch bei einer dieser Firmen zieht den ganzen Index nach unten.
- DAX: weniger direkt KI-getrieben, aber indirekt betroffen, wenn Weltmärkte schwächeln.
Fazit: Automatisierung jenseits des Hypes
Ja, KI wird bleiben. Wer aber nur auf den Hype setzt, wird durch das Tal der Enttäuschungen hart geprüft. Die eigentliche Kunst ist, Prozesse heute schlanker und effizienter zu machen – ohne warten zu müssen, bis GPT-9 die Welt rettet.
Viele Aufgaben in KMU lassen sich sofort automatisieren:
- in MS Office mit Access als flexibles Werkzeug für Datenbanken,
- mit SQL Server für robuste Auswertungen und Performance,
- mit regelbasierter Logik, die zuverlässig, prüfbar und DSGVO-konform ist.
Office Automatisierung ist nicht so spektakulär wie die großen KI-Showcases, aber es bringt echten Nutzen: weniger Handarbeit, weniger Kosten, mehr Produktivität.
Hype vergeht. Produktivität bleibt. Wer den Gipfel übersteht und nüchtern weitergeht, findet den Pfad zur Erleuchtung.
Sönke Schäfer, Datenbank-Entwickler