Schnittstellen sind keine IT-Spielerei

Sönke SchĂ€fer, DatenschĂ€fer bei SeSoft GmbH Web/Database/Solutions, Datenbank-Entwickler fĂŒr Access, SQL-Server, Power Platform usw.

MonatsabschlĂŒsse ohne Bauchschmerzen

Warum ich darĂŒber schreibe

Ich sehe es stĂ€ndig in KMU: Monatsabschluss heißt Excel-Export, Copy & Paste, Taschenrechner im Kopf. Und am Ende bleibt ein ungutes GefĂŒhl. Stimmt das wirklich?

Meine Haltung ist klar: Schnittstellen sind keine IT-Spielerei. Sie sind die Voraussetzung fĂŒr ruhige NĂ€chte, belastbare Zahlen und Entscheidungen ohne BauchgefĂŒhl.

Was GeschĂ€ftsfĂŒhrer und IT-Leiter wirklich umtreibt

  • Zahlen kommen zu spĂ€t
  • Zahlen widersprechen sich
  • Niemand weiß, welche Zahl stimmt
  • Das ERP kann es angeblich nicht besser

Das Problem ist selten fehlende Software. Das Problem ist fehlende Verbindung.

Altsysteme sind nicht das Problem

Viele Systeme laufen seit 10, 15 oder 20 Jahren.

  • Stabil
  • Bekannt
  • Abgeschrieben

Sie scheitern nicht an ihrem Alter, sondern daran, dass sie isoliert stehen.

Schnittstellen schaffen Ordnung

Eine saubere Schnittstelle bedeutet:

  • Eine Quelle fĂŒr Stammdaten
  • Klare Zeitpunkte fĂŒr DatenstĂ€nde
  • Nachvollziehbare Transformationen

Kein Zauber. Handwerk.

Typische Architektur in KMU

EbeneTechnikZweck
FachanwendungERP, FiBu, WarenwirtschaftOperativer Betrieb
SchnittstelleODBC, CSV, API, RPADatenĂŒbergabe
Zentrale DatenbasisSQL Server oder AccessKonsolidierung
AuswertungPower BI, Excel, ReportsSteuerung

Warum SQL Server oder Access?

Ich nutze beides bewusst.

  • Access fĂŒr schnelle Integration, Prototypen, FachbereichsnĂ€he
  • SQL Server fĂŒr StabilitĂ€t, Performance, Mehrbenutzer, Historisierung

Beides zusammen ist kein Widerspruch.

Monatsabschluss ohne Bauchschmerzen

Ein sauberer Abschluss heißt:

  • Stichtagsdaten sind reproduzierbar
  • Buchungen sind versioniert
  • Korrekturen sind nachvollziehbar

Das geht nur mit zentralen DatenstÀnden.

Beispiel: FiBu-System ohne API

Technische Basis

  • Lokale SQL Anywhere oder proprietĂ€re DB
  • Kein direkter Zugriff vorgesehen
  • Exporte als CSV

Lösung

  • Automatisierter CSV-Import
  • Validierung in SQL Server
  • Historisierung pro Abschluss

T-SQL Beispiel

INSERT INTO dwh.Fibu_Buchungen (BelegNr, Datum, Betrag, Periode)
SELECT
  BelegNr,
  CAST(Datum AS date),
  Betrag,
  '2025-01'
FROM staging.Fibu_Import;

Trocken, aber wirksam.

Beispiel: Warenwirtschaft mit ODBC

Technische Basis

  • SQL Server Express
  • ODBC-Zugriff möglich

Funktionsumfang

  • Artikel
  • Lagerbewegungen
  • Offene Posten

Jet-SQL aus Access

SELECT ArtikelNr, SUM(Menge) AS Bestand
FROM Lagerbewegungen
GROUP BY ArtikelNr;

Das reicht oft schon fĂŒr belastbare BestĂ€nde.

Beispiel: Access als Altsystem

Ja, Access ist oft das Altsystem.

Technische Basis

  • Jet oder ACE Engine
  • Lokale MDB oder ACCDB

Status

  • Weiterhin einsetzbar
  • Aber nicht als Datensilo

VBA fĂŒr Übergabe an SQL Server

DoCmd.TransferDatabase acExport, "ODBC Database", _
"ODBC;DRIVER=SQL Server;SERVER=SRV01;DATABASE=DWH;", _
acTable, "tblUmsaetze", "stg_Umsaetze"

Kein Hexenwerk.

Wenn Anpassungen nicht erlaubt sind

Manche Systeme lassen nichts zu.

Dann sage ich nicht: Pech gehabt.

Alternative: Power Automate RPA

  • Klicks automatisieren
  • Exporte zeitgesteuert
  • Dateien weiterverarbeiten

Nicht elegant, aber effektiv.

DWH und BI sind kein Konzern-Thema

Ein kleines DWH heißt nicht Big Data.

Es heißt:

  • Saubere Zeitachsen
  • Einheitliche Begriffe
  • Weniger Diskussionen

Power BI lebt von guten Daten. Nicht von bunten Kacheln.

Altdaten-Migration ohne Drama

Migration scheitert selten an Technik.

Sie scheitert an fehlender Struktur.

Mit bestehenden Schnittstellen:

  • Schrittweise Übernahme
  • Parallelbetrieb möglich
  • RĂŒckfall jederzeit machbar

Typische Nachfolger fĂŒr alte Systeme

  • Cloud-ERP mit API
  • Branchenlösungen mit SQL-Backend
  • Eigenentwicklungen auf SQL + Power Platform

Wichtig ist nicht der Name. Wichtig ist die Offenheit.

Meine klare Meinung

Wer MonatsabschlĂŒsse noch per Hand zusammenbaut, spart nicht.

Er zahlt. Jeden Monat. Mit Zeit, Nerven und Vertrauen in Zahlen.

Schnittstellen sind keine IT-Spielerei.

Sie sind FĂŒhrungsinstrument.

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