Warum dauert eine simple Freigabe in meiner Firma immer noch fünf Tage?

Eine Bestellung bei einem Überseelieferanten wartet auf deine Freigabe. Fachlich ist das eine Frage von einer Minute: Preis passt, Menge passt, freigegeben. Trotzdem liegt der Vorgang fünf Tage. Der eine Geschäftsführer ist auf Messe, der andere sieht die Mail im CC: nicht, der dritte will erst Rücksprache halten. Und während der Vorgang im Postfach liegt, läuft die Transitzeit über See nicht. Die Produktion, die auf genau diese Bauteile wartet, schiebt sich nach hinten.

Eine Bestellfreigabe automatisieren klingt nach großem Projekt. Ist es nicht. Es ist die Erkenntnis, dass die Entscheidung am falschen Ort stattfindet.

Das eigentliche Problem ist nicht die fehlende Disziplin

Die meisten Firmen haben das Thema schon zweimal angefasst. Einmal mit mehr E-Mail-Disziplin: ein fester Verteiler, eine Betreffkonvention, die Bitte um schnelle Antwort. Das hält drei Wochen. Danach ist es wieder eine Flut formloser Mails mit CC:, die sich hinterher kaum systematisch zuordnen lassen. Wer hat eigentlich freigegeben? Wann? Und für welche der drei ähnlichen Bestellungen?

Der zweite Anlauf läuft oft über die bestehende Access-Anwendung. Die Bestellung steckt ohnehin schon im System, also wird dort ein Freigabe-Status nachgebaut. Funktioniert, hat aber einen eingebauten Medienbruch: Access kann den Datensatz markieren, aber es muss trotzdem jemand eine Outlook-Mail schreiben, damit der Chef überhaupt merkt, dass etwas auf ihn wartet. Und der Chef muss sich, um zu reagieren, wieder ins System hängen. Bei 300 Mitarbeitenden und einem Geschäftsführer, der die halbe Woche unterwegs ist, ist das genau die Hürde, an der die fünf Tage entstehen.

Der Fehler ist nicht die fehlende Disziplin. Der Fehler ist, dass die Entscheidung im Postfach stattfindet und nicht in den Daten.

Bestellfreigabe automatisieren, ohne dass sich jemand einloggt

Power Automate ist der Teil der Microsoft Power Platform, der auf Ereignisse reagiert und Abläufe anstößt, ohne dass ein Mensch auf einen Knopf drücken muss. Für die Freigabe sieht das so aus:

Eine neue Bestellung über deinem Schwellenwert entsteht in deinem Bestand. Power Automate bemerkt das und erzeugt eine Genehmigungsanfrage. Eine Genehmigungsanfrage ist eine kleine Karte mit den wichtigsten Eckdaten und zwei Knöpfen, „Genehmigt“ und „Abgelehnt“. Diese Karte landet im Outlook des zuständigen Geschäftsführers, wahlweise zusätzlich in Teams. Er tippt auf einen Knopf, fertig.

Der entscheidende Punkt: Er muss sich nirgends einloggen. Die Antwort geht direkt aus der Mail, am Schreibtisch, im Browser oder auf dem Handy. Wer eine normale Microsoft-365-Lizenz hat, kann auf so eine Anfrage reagieren, ohne ein weiteres System zu öffnen. Genau das ist der Unterschied zum Access-Medienbruch: Die Entscheidung kommt zum Chef, nicht der Chef zur Entscheidung.

Drei Bausteine machen aus der netten Demo einen belastbaren Ablauf.

Eine Frist mit Eskalation. Drei Tage müssen reichen. Reagiert der Hauptverantwortliche in dieser Zeit nicht, geht die Anfrage automatisch an die hinterlegte Vertretung. Eine Frist ohne Eskalation ist nur ein Wunsch. Erst die automatische Weitergabe macht aus „sollte schnell gehen“ ein „geht garantiert in drei Tagen weiter“.

Die Entscheidung zurück in die Datenbank. Sobald der Knopf gedrückt ist, schreibt der Ablauf das Ergebnis in deinen SQL Server zurück: wer, wann, welche Entscheidung, welcher Kommentar. Die Bestellung wechselt ihren Status, ohne dass jemand abtippt.

Ein Audit-Trail, der die CC-Flut ersetzt. Jede Entscheidung landet in einer eigenen Protokolltabelle. Wer freigegeben hat und wann, steht danach in einer Tabelle, nicht in einem CC-Verteiler.

Diese Protokolltabelle ist der Kern und schnell gebaut. Wer den technischen Teil nicht braucht, springt zum nächsten Abschnitt.

/*-----------------------------------------------------------------------------
Objekt    : dbo.tblBestellFreigabe
Zweck     : Protokolliert jede Freigabe-Entscheidung zu einer Bestellung.
            Wird vom Power-Automate-Flow beschrieben, ist die Audit-Quelle.
Autor     : Sönke Schäfer / Der Datenschäfer
Erstellt  : 2026-06-05
-----------------------------------------------------------------------------*/
CREATE TABLE dbo.tblBestellFreigabe
(
     idBestellFreigabe   INT IDENTITY(1,1) NOT NULL
    ,fiBfgBestellung     INT               NOT NULL
    ,strBfgEntscheider   VARCHAR(100)      NOT NULL   -- UPN des Chefs, der entschied
    ,strBfgEntscheidung  VARCHAR(20)       NOT NULL   -- Genehmigt / Abgelehnt
    ,strBfgKommentar     VARCHAR(500)      NULL
    ,bitBfgVertretung    BIT               NOT NULL CONSTRAINT dfBfgVertretung DEFAULT 0
    ,dtmBfgAngefordert   DATETIME2(0)      NOT NULL
    ,dtmBfgEntschieden   DATETIME2(0)      NOT NULL CONSTRAINT dfBfgEntschieden DEFAULT SYSDATETIME()
    ,CONSTRAINT pkBestellFreigabe PRIMARY KEY (idBestellFreigabe)
    ,CONSTRAINT ckBfgEntscheidung CHECK (strBfgEntscheidung IN ('Genehmigt','Abgelehnt'))
);
GO

CREATE INDEX idxBfgBestellung ON dbo.tblBestellFreigabe (fiBfgBestellung);
GO

Wichtig sind die beiden Zeitstempel dtmBfgAngefordert und dtmBfgEntschieden. Mit einem DATEDIFF über diese beiden Spalten misst du die tatsächliche Liegezeit jeder Freigabe. Aus „das dauert immer ewig“ wird eine Zahl, die du am Monatsende auswerten kannst. Welche Bestellungen offen sind, liefert eine schlichte Sicht: alle Vorgänge über dem Schwellenwert, zu denen noch kein Eintrag in dieser Tabelle existiert. Diese Sicht ist der Auslöser für den Ablauf.

Wo der Ansatz an Grenzen stößt

Kostenlos ist das nicht, und an einer Stelle wird es gern unterschätzt. Der Zugriff auf SQL Server läuft in Power Automate über einen sogenannten Premium-Connector. Die in Microsoft 365 enthaltene Variante kann das nicht. Du brauchst also eine kostenpflichtige Lizenz, aber nicht für jeden Chef. Da die Freigabe ein automatisierter Ablauf ist, der durch neue Daten ausgelöst wird, reicht eine Lizenz für den Ablauf selbst, entweder über den Eigentümer oder als eigene Lizenz pro Ablauf. Die Geschäftsführer reagieren auf ihrer vorhandenen Microsoft-365-Lizenz, ohne zusätzlichen Seat.

Damit die Knöpfe direkt in Outlook funktionieren, muss der Administrator die sogenannten Actionable Messages im Tenant freischalten. Ist das nicht geschehen, bekommt der Freigeber statt der Knöpfe eine Mail mit einem Link, über den er reagiert. Funktioniert auch, ist nur einen Klick umständlicher.

Und der Ansatz lohnt sich dort, wo die Freigabe wirklich ein Engpass ist. Eine einstufige Freigabe ab einem Schwellenwert ist der ideale Fall. Sobald du eine vielstufige Genehmigungsmatrix mit Dutzenden Sonderregeln abbilden willst, wird auch Power Automate aufwendig, und man sollte vorher sortieren, was davon wirklich nötig ist.

Was das für die Geschäftsführung heißt

Die Freigabe folgt ab sofort dem Chef, nicht umgekehrt. Er entscheidet aus der Mail, vom Handy, zwischen zwei Terminen, ohne sich in irgendein System einzuloggen. Das ist bei Überseebestellungen mit wochenlangen Transitzeiten kein Komfortthema, sondern bares Geld: Jeder Tag, den die Freigabe schneller durch ist, ist ein Tag, den die abhängige Produktion früher planen kann.

Die Frist hält sich von selbst ein. Nach drei Tagen ohne Reaktion eskaliert der Vorgang automatisch an die Vertretung. Niemand muss mehr hinterhertelefonieren, und keine Bestellung versumpft, weil eine einzelne Person im Urlaub war.

Und die Frage „wer hat das eigentlich freigegeben“ ist in Sekunden beantwortet. Die Antwort steht in einer Tabelle, mit Name, Zeitpunkt und Kommentar, statt in einem Mailverlauf, den niemand mehr rekonstruieren kann. Für eine Betriebsprüfung oder ein internes Vier-Augen-Prinzip ist das der Unterschied zwischen einer Stunde Suchen und einem Klick.

Wenn du das einmal durchrechnen willst

Die Freigabe ist einer von acht Fällen, in denen sich dein bestehendes Backend aus Access und SQL Server gezielt ergänzen lässt, statt es zu ersetzen. Den Überblick findest du auf der Seite Access mit SQL Server und Power Platform kombinieren.

Wer wissen will, ob sich das für die eigene Bestellfreigabe rechnet, erreicht mich über das kostenlose Erstgespräch. Dreißig Minuten reichen, um zu klären, ob ein einzelner Freigabe-Ablauf genügt oder ob bei dir mehr im Argen liegt.

Quellen

Hinweis zu Lizenzen: Microsoft passt Connector-Einstufung und Lizenzmodell regelmäßig an. Vor einer Kalkulation den aktuellen Stand prüfen.

Über Sönke Schäfer

Sönke Schäfer berät seit über 25 Jahren KMU im norddeutschen Raum bei Datenbank-Anwendungen mit Microsoft Access und SQL Server. Ein wiederkehrendes Thema ist es, Prozesse zwischen dem gewachsenen SQL-Server-Backend und der Microsoft-365-Welt zu schließen, in der die Leute ohnehin arbeiten, statt einen Medienbruch nach dem nächsten nachzubauen. Büro in Sierksdorf, Ostholstein, erreichbar für Unternehmen in Lübeck, Kiel, Hamburg und im gesamten norddeutschen Raum.

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