Du weißt, dass du eigentlich was auf LinkedIn posten solltest. Auf Instagram. Auf Facebook. Du hast es dir vor zwei Jahren vorgenommen, vor einem Jahr noch mal. Geworden ist daraus nichts. Texte schreiben, Bilder finden, Markenfarben treffen, jede Woche neu — das wird nichts neben dem Tagesgeschäft.
Genau hier setzt Google Pomelli an. Das Tool liest deine Website, leitet daraus eine „Business DNA“ ab — Farben, Schriften, Tonalität, Bildwelt — und generiert auf Knopfdruck fertige Kampagnen-Kacheln für Social Media. Klingt nach Marketing-Versprechen. Ist aber überraschend nah dran.
Was Pomelli in 15 Minuten aus sesoft.de gemacht hat
Ich habe den Test mit meiner eigenen Seite gemacht. Website-Adresse eingegeben, gewartet, geschaut, was rauskommt. Das Ergebnis war für mich der eigentliche Aha-Moment: Pomelli hat nicht nur die Farben getroffen (Marineblau, Grün, Orange als Akzent), sondern auch die Tonalität. Tagline der generierten DNA: „Ich bringe Ruhe in Deine Datenlandschaft.“ Das hätte ich selbst schreiben können.

Auf Knopfdruck habe ich dann eine Kampagne zum Thema „Struktur vor KI“ generieren lassen. Vier Kacheln, fertig formatiert, mit Bildern im Cartoon-Stil meiner Marke. Drei davon hätte ich direkt posten können. Eine musste ich nachschärfen — die Tonalität war an einer Stelle vom Du ins Sie gerutscht. Korrektur über den eingebauten Editor: 30 Sekunden.
Gesamtdauer von „Website eingegeben“ bis „vier postbare Kacheln“: 10 bis 15 Minuten.
Warum die Hürde bisher zu hoch war
Aus meiner Praxis im norddeutschen Mittelstand zeigt sich ein wiederkehrendes Muster: KMU-Geschäftsführer wissen, dass Sichtbarkeit auf Social Media mittlerweile zum Geschäft gehört. Sie scheitern aber nicht an der Erkenntnis, sondern an der Umsetzung. Drei typische Bremsen:
- Texte schreiben. Jede Woche etwas Neues, das nicht abgedroschen klingt. Wer das nicht im Blut hat, sitzt eine Stunde an einem Post.
- Bildmaterial. Stockfotos sehen nach Stockfotos aus. Eigene Fotos kosten Zeit oder Geld. Canva-Vorlagen wirken austauschbar.
- Markenkonsistenz. Die Farben halbwegs treffen, die Schrift einigermaßen passend wählen, den Tonfall durchhalten — drei Baustellen pro Post.
Ein Bekannter aus meinem Netzwerk illustriert das gut. Er hat vom Außendienst auf eine eigene GBP- und SEO-Beratung umgesattelt. LinkedIn hat er ordentlich im Griff, das ist sein Heimatkanal. Aber Instagram und Facebook sind nochmal andere Spielfelder, andere Bildsprache, andere Tonalität. Er steht damit dort, wo viele KMU stehen: Mit dem Wissen, dass es nötig ist, und der Frustration, dass es nicht wirklich vorangeht.
Pomelli ist für genau diese Lage gebaut. Nicht als Ersatz für strategisches Marketing — als Werkzeug, um die mechanische Hürde zu senken.
Was Pomelli ist (und was nicht)
Definition: Google Pomelli Pomelli ist ein KI-Tool aus Google Labs, das aus einer Unternehmenswebsite eine Markenidentität ableitet und daraus on-brand-Marketingkacheln für Social Media generiert.
Stand April 2026 läuft Pomelli noch im Public-Beta-Modus und ist offiziell in den USA, Kanada, Australien und Neuseeland verfügbar — nicht in Deutschland. Wer es trotzdem testen will, braucht einen Umweg über VPN oder einen US-Google-Account. Eine deutsche Verfügbarkeit ist absehbar, aber nicht angekündigt. Die Generierung selbst funktioniert auf Deutsch erstaunlich gut, weil die zugrundeliegenden Modelle deutschsprachig sind. Die Bedienoberfläche bleibt englisch.
Drei Schritte, dann liegen die Assets vor:
- Website-Adresse eingeben. Pomelli analysiert die Seite und erstellt die Business DNA — Farbpalette, Schriften, Tonalität, Markenwerte, Bildwelt.
- Kampagnen-Idee wählen oder Prompt eingeben. Pomelli schlägt selbst Themen vor, basierend auf dem, was es auf der Website gefunden hat. Eigene Themen lassen sich als Prompt eingeben.
- Kacheln editieren und herunterladen. Jede Kachel ist im eingebauten Editor einzeln bearbeitbar. Text, Bild, Farben, Größen — alles direkt änderbar. Download als Bilddatei für die Plattform der Wahl.
Was Pomelli nicht macht: posten. Es gibt kein Scheduling, keine Plattform-Anbindung. Die fertigen Kacheln musst du selbst auf LinkedIn, Instagram oder Facebook hochladen. Das ist konsequent — aber für jemanden, der den ganzen Workflow automatisiert haben will, ein offenes Ende.
Die ehrliche Einschränkung
Ich habe oben geschrieben, dass drei von vier Kacheln direkt postbar waren. Das ist ehrlich gemeint, gilt aber unter zwei Bedingungen.
Erstens: Meine Website ist gut strukturiert. Klare Tonalität, definierte Markenwerte, konsistente Bildsprache (die Datenschäfer-Cartoons). Pomelli hat diese Substanz gefunden, weil sie da war. Wer eine schwammige Website hat — wechselnde Farben, mal Du, mal Sie, beliebige Stockfotos — bekommt eine schwammige Business DNA. Und damit schwammigen Output. Das ist nicht Pomellis Schuld, sondern eine direkte Folge dessen, was im Eingabematerial steckt.
Zweitens: Du musst die letzten 30 Prozent selbst draufsetzen. Eine Kachel war nicht in Du-Form. Eine andere hatte eine generische Headline („Ihr Partner für den Mittelstand“), die zu jedem Steuerberater oder Versicherungsmakler hätte passen können. Pomelli liefert die Vorlage. Die Markenkante musst du selbst nachziehen.
Wer beides nicht hat — weder eine saubere Website noch ein Auge für die letzten Korrekturen — bekommt mit Pomelli keinen besseren Marken-Auftritt, sondern nur eine schnellere Variante des bisherigen austauschbaren Outputs.
Für wen Pomelli funktioniert — und für wen nicht
Pomelli funktioniert gut für:
- KMU mit einer halbwegs konsistenten Website, aber zu wenig Zeit für Social-Media-Produktion.
- Solo-Selbstständige und kleine Teams, die LinkedIn schon bedienen und auf Instagram oder Facebook ausweiten wollen.
- Beratungsbetriebe, deren Markenidentität auf der Website schon steht und nur in andere Kanäle übersetzt werden muss.
Pomelli funktioniert nicht gut für:
- Unternehmen, deren Website inhaltlich oder gestalterisch unklar ist. Hier hilft kein Tool — hier hilft erst eine saubere Website, dann ein Tool.
- Marken mit sehr eigener Bildsprache, die KI-generierte Visuals nicht reproduzieren kann (handgezeichnete Illustrationen, Fotostrecken mit Wiedererkennungswert, eigene Cartoon-Welten — hier wird Pomelli ähnlich, aber nicht identisch).
- Vollautomatisierungs-Wünsche. Wer Posten, Scheduling und Reporting in einem Werkzeug haben will, ist mit Hootsuite, Buffer oder Zoho Social besser bedient — Pomelli macht nur den Vorbau.
Übersetzung für Nicht-Marketer
Wenn du dein Unternehmen führst und das Wort Business DNA schon zwei Mal überlesen hast: Der Punkt ist einfach. Pomelli ist ein Werkzeug, das aus deiner bestehenden Website automatisch Social-Media-Kacheln macht, die zu deiner Marke passen. In der Zeit, die du sonst für einen einzelnen LinkedIn-Post brauchst, hast du eine ganze Kampagne mit vier Beiträgen. Du musst dich um Layout, Farben und Bildauswahl nicht mehr kümmern — nur noch um die Frage, ob der Text wirklich nach dir klingt.
Wer die Hürde „Wie kriege ich überhaupt regelmäßig was raus?“ gesenkt bekommt, kommt überhaupt erst in den Bereich, in dem Sichtbarkeit zum Geschäft beitragen kann. Was Pomelli nicht ersetzt: das Nachdenken darüber, welche Botschaft du eigentlich rausschicken willst. Das Tool produziert. Was es produziert, entscheidest du.
Und genau das ist das wiederkehrende Muster in der Beratung: KI senkt die Produktionskosten dramatisch. Sie ersetzt aber nicht die Arbeit davor — die Frage, was überhaupt produziert werden soll und auf welcher strukturellen Grundlage. Erst Struktur, dann Skalierung. Auch hier.
Was du tun kannst, wenn du es ausprobieren willst
Pomelli ist im Public Beta kostenlos. Wer es jetzt schon testen will, braucht einen US-Google-Account oder einen VPN-Zugang — das ist Bastelei, aber machbar. Wer warten will, bis das Tool offiziell in Deutschland verfügbar ist, verliert nichts; die zugrundeliegende Technologie wird nicht schlechter, sie wird nur breiter zugänglich.
Wichtiger als das Tool ist die Vorarbeit: Eine Website, die deine Marke wirklich abbildet, ist die Grundlage für alles, was Pomelli daraus macht. Wenn du dir nicht sicher bist, ob deine Seite das hergibt, lohnt sich der Blick darauf, bevor du Werkzeuge testest. Wer einmal ehrlich draufschaut, was die eigene Website über die Marke aussagt, hat den größten Hebel schon gefunden — Tool hin oder her.
Wer sich das einmal anschauen lassen möchte: erreichbar über sesoft.de/kontakt.
Quellen und weiterführend
- Pomelli bei Google Labs
- Google-Blog: Vorstellung von Pomelli (28. Oktober 2025)
- Google-Hilfe: Erste Schritte mit Pomelli
Über den Autor
Sönke Schäfer ist selbstständiger IT-Berater und Datenarchitekt in Ostholstein (Neustadt in Holstein, Schleswig-Holstein). Er berät seit über 25 Jahren norddeutsche KMU bei Datenarchitektur, Prozessdigitalisierung und der Modernisierung gewachsener IT-Bestände — mit Schwerpunkt auf Microsoft Access, VBA und SQL Server. Sein Leitsatz: Erst Struktur, dann KI.



