Ein Maschinenbauer will wissen, wie sich die Auftragsdurchlaufzeiten über drei Jahre entwickelt haben. Das Controlling klickt sich die Zahlen mühsam aus SIVAS heraus, Monat für Monat, und niemand traut dem Ergebnis so recht. Die IT soll eine Anbindung bauen, sucht den passenden Datenbanktreiber — und findet im Netz widersprüchliche Angaben, worauf SIVAS eigentlich läuft.
Genau dieser erste Punkt entscheidet über den ganzen Rest. Wer die falsche Datenbank annimmt, lädt den falschen Treiber und kommt keinen Schritt weiter.
Was unter SIVAS.ERP wirklich liegt
SIVAS.ERP ist ein modulares ERP-System der schrempp edv GmbH aus Lahr, seit über 30 Jahren am Markt und spezialisiert auf Maschinen- und Anlagenbau sowie Varianten- und Einzelfertigung. Das ist ein Nischensystem für die Industrie, kein Allerwelts-ERP.
Der entscheidende technische Punkt: SIVAS.ERP läuft auf einer Oracle-Datenbank. schrempp edv ist seit den späten 80ern ein Oracle-Haus, Oracle Certified Partner und nach eigener Darstellung spezialisiert auf Oracle-Datenbank- und Entwicklungswerkzeuge. Wer für SIVAS einen Informix- oder DB2-Treiber sucht, sucht am falschen Ort.
Das ist eine gute Nachricht für die Auswertung. Oracle ist eine ausgereifte relationale Datenbank mit etablierten, dokumentierten Zugriffswegen. Der Zugang ist also lösbar. Die Arbeit liegt, wie bei jedem gewachsenen ERP, im Verstehen des Datenmodells.
Drei Wege aus SIVAS heraus
Weg 1 — ODBC auf die Oracle-Datenbank. Mit dem Oracle-ODBC-Treiber, dem Instant Client und den richtigen Verbindungsdaten (Host, Port, Service-Name beziehungsweise SID) lässt sich die SIVAS-Datenbank lesend anbinden. Aus Access geht das per ODBC-Verknüpfung oder per ADO. Das hier ist der Kern einer ADO-Verbindung aus VBA, der entscheidende Punkt steht im Kommentar:
' Verbindung zur Oracle-Datenbank von SIVAS (lesend).
' Voraussetzung: Oracle Instant Client + ODBC-Treiber installiert,
' eigenes Read-only-Login, NICHT der Anwendungs-Account.
Dim conn As Object
Set conn = CreateObject("ADODB.Connection")
conn.Open "Driver={Oracle in instantclient};" & _
"DBQ=//host:1521/SERVICE_NAME;" & _
"UID=leser;PWD=geheim;"
Weg 2 — Linked Server aus dem SQL Server. Wer ein DWH auf SQL Server aufbaut, bindet die Oracle-Quelle als Linked Server an, entweder über den Oracle-OLE-DB-Provider oder über die ODBC-Bridge. Danach laufen die Abfragen per OPENQUERY gegen Oracle, und die Ergebnisse landen im SQL-Server-Staging.
-- Linked Server auf die Oracle-Quelle von SIVAS.
-- Tabellen- und Feldnamen sind SIVAS-spezifisch und müssen aus dem
-- Datenmodell ermittelt werden. <Auftragstabelle> ist ein Platzhalter.
SELECT *
FROM OPENQUERY(SIVAS_ORA,
'SELECT * FROM "<Auftragstabelle>" WHERE "Status" = ''offen''');
Weg 3 — Export aus SIVAS, wenn kein direkter Zugriff gewünscht ist. SIVAS bringt Listen- und Druckausgaben mit, die sich als Datei sichern lassen. Das ist der vom Hersteller vorgesehene Weg, wenn der direkte Datenbankzugriff nicht freigegeben werden soll. Beim Import in den SQL Server gilt:
BULK INSERT staging.SIVAS_Auftraege
FROM 'D:\sivas_export\auftraege.csv'
WITH (
FIELDTERMINATOR = ';',
ROWTERMINATOR = '0x0a',
FIRSTROW = 2,
CODEPAGE = '1252' -- ältere Exporte sind codepage-basiert, nicht UTF-8
);
Zwei Regeln, bevor die erste Abfrage läuft
Erstens, nur lesen. Auf die Live-Datenbank eines produktiven ERP gehört kein Schreibzugriff. Ein eigenes Read-only-Login mit Rechten auf die benötigten Tabellen, mehr nicht.
Zweitens, das Datenmodell ernst nehmen. SIVAS ist ein tiefes Industrie-ERP mit vielen Tabellen, Status- und Belegcodes. Eine Auftragsdurchlaufzeit korrekt zu berechnen heißt, die richtigen Statusübergänge zu kennen, nicht nur zwei Datumsspalten zu subtrahieren. Dieses Wissen kommt aus der SIVAS-Dokumentation, vom Hersteller oder aus sorgfältigem Reverse Engineering.
Wo der Weg an Grenzen stößt, und was sich geändert hat
Eine wichtige Korrektur gegenüber älteren Einschätzungen: Die Annahme, SIVAS sei ein geschlossenes System „ohne einheitliche Schnittstelle“, trifft die heutige Version nicht mehr. schrempp edv wirbt inzwischen ausdrücklich mit generischen, offenen Schnittstellen als Basis für KI, IoT und Big Data. Für eine moderne Anbindung lohnt es sich also, zuerst nach diesen offiziellen Schnittstellen zu fragen, bevor man auf direkten Datenbankzugriff ausweicht.
Die Grenze bleibt das Modellwissen. Bei einem Spezial-ERP für den Maschinenbau ist die Bedeutung der Tabellen nichts, was man sich in einer Stunde erschließt. Wer ohne dieses Wissen Auswertungen baut, produziert Zahlen, die plausibel aussehen, aber den Prozess falsch abbilden.
Was das für dich heißt, wenn du es nicht selbst baust
Für dich als Geschäftsführer oder Controller heißt das: Deine SIVAS-Daten liegen in einer soliden Oracle-Datenbank und sind grundsätzlich gut erreichbar. Der Aufwand steckt nicht im Zugang, sondern darin, das industrietypische Datenmodell korrekt zu lesen, und in der Entscheidung, ob man die offiziellen SIVAS-Schnittstellen nutzt oder direkt auf die Datenbank geht.
Der wirtschaftlich spürbare Unterschied: Eine einmal sauber aufgesetzte Anbindung liefert die Auftrags- und Durchlaufkennzahlen danach automatisch und verlässlich, statt dass jemand sie Monat für Monat aus SIVAS herausklickt und in Excel zusammenrechnet.
Wenn du sowas im Bestand hast
Wenn bei euch SIVAS.ERP läuft und ihr verlässliche Auswertungen oder ein DWH darauf aufsetzen wollt, lohnt sich zuerst die Frage nach den offiziellen Schnittstellen und danach ein sauberer, lesender Zugriff auf die Oracle-Datenbank — mit klarem Verständnis des Datenmodells. Wer das einmal aufsetzen lassen möchte, erreicht mich über ein kostenloses Erstgespräch.
Quellen
- Hersteller, Oracle-Spezialisierung und Firmengeschichte: schrempp edv – Unternehmensentwicklung
- Branchenausrichtung und Backend-Umfeld (Oracle/Microsoft): erp.de – SIVAS ERP
- Offene Schnittstellen für KI/IoT/Big Data: SIVAS.ERP auf LinkedIn
Über Sönke Schäfer
Sönke Schäfer berät seit über 25 Jahren norddeutsche KMU bei der Anbindung von ERP- und Branchensystemen an SQL Server und Microsoft Access. Sein Schwerpunkt liegt darauf, aus gewachsenen Industrie-Beständen wie SIVAS.ERP verlässliche Auswertungen und Data-Warehouse-Strukturen zu bauen — auch über Oracle-Quellen hinweg, ohne das laufende ERP zu gefährden. Büro in Sierksdorf, Ostholstein.

