VBA im Jahr 2025: Totgesagte leben länger

Es gibt Werkzeuge, über die man nicht mehr spricht – weil sie einfach funktionieren. VBA gehört dazu. Während die Tech-Welt über KI-Agenten, Low-Code-Plattformen und Python-Notebooks diskutiert, läuft in Tausenden von Unternehmen jeden Morgen still und zuverlässig ein VBA-Makro an. Kein Aufhebens, kein Wartungsfenster, kein Abo-Modell. Einfach: es läuft.

Ich sage das nicht aus Nostalgie. Ich sage es, weil es stimmt – und weil man VBA im Jahr 2025 weder totschreiben noch verklären sollte. Beides wäre unehrlich.

Was VBA heute noch leistet – und warum das nicht wenig ist

VBA, kurz für Visual Basic for Applications, ist tief in Microsoft Office verwurzelt. In Excel und Access läuft es direkt im Programm, ohne externe Abhängigkeiten, ohne Cloud-Anbindung, ohne Lizenzkosten über das Office-Abo hinaus. Genau das ist oft der entscheidende Punkt: Was lokal läuft, läuft verlässlich.

Ein konkretes Beispiel aus meiner eigenen Praxis: Ein Makro in einer Access-Datenbank, das ich vor rund 15 Jahren für einen Kunden entwickelt habe. Es liest täglich einen CSV-Export aus der Warenwirtschaft ein, bereinigt die Daten, aktualisiert mehrere verknüpfte Tabellen und erzeugt einen formatierten Tagesbericht als Excel-Datei. Der gesamte Vorgang dauert unter zwei Minuten. Der Mitarbeiter klickt auf eine Schaltfläche – fertig. Dieser Ablauf hat in 15 Jahren genau dreimal eine Anpassung gebraucht: einmal weil sich das CSV-Format geändert hat, einmal nach einem Office-Update und einmal weil die Kunden-Nummernstruktur umgestellt wurde. Drei Eingriffe in 15 Jahren. Das ist Stabilität, die viele moderne Tools nicht bieten können.

Die ehrlichen Nachteile – die es auch gibt

VBA ist kein Allheilmittel, und wer so tut als wäre es das, schadet seinen Kunden. Die Schwächen sind real:

Wartbarkeit und Wissenstransfer sind das größte Problem. VBA-Code, der über Jahre ohne Dokumentation gewachsen ist, kann zur echten Blackbox werden. Wenn der einzige Mensch, der den Code versteht, das Unternehmen verlässt oder – wie in Einzelunternehmen – selbst der Entwickler ist, entsteht ein Klumpenrisiko.

Fehlende Skalierbarkeit schlägt irgendwann durch. VBA eignet sich gut für einzelne Arbeitsplätze und überschaubare Datenmengen. Sobald mehrere Nutzer gleichzeitig auf eine Lösung zugreifen, Daten aus Cloud-Diensten eingebunden werden sollen oder mobile Geräte ins Spiel kommen, stößt VBA strukturell an seine Grenzen.

Kein natives Error-Monitoring, kein Logging ohne Eigenaufwand. Wenn ein Makro im Hintergrund eines Benutzers fehlschlägt, erfährt man es oft erst, wenn der Tagesbericht ausbleibt. Wer Transparenz und Nachvollziehbarkeit braucht, muss das selbst einbauen – oder ein anderes Werkzeug wählen.

Und dann ist da noch die strategische Perspektive: Microsoft entwickelt VBA nicht mehr aktiv weiter. Es wird gepflegt, aber nicht ausgebaut. Wer heute eine neue Lösung von Grund auf baut, sollte das einkalkulieren.

Wann Power Automate oder Python die bessere Wahl sind

Die Frage ist nie „VBA oder etwas anderes“ als Grundsatzdiskussion – sondern immer: Was braucht dieses konkrete Problem?

Power Automate ist die richtige Wahl, wenn Prozesse über Systemgrenzen hinweg laufen sollen. Wenn Daten aus einem Webformular in SharePoint landen, von dort in ein CRM wandern und per Teams-Nachricht quittiert werden – das ist Power Automates Terrain. VBA kommt dort nicht hin. Außerdem bringt Power Automate eine visuelle Oberfläche mit, die auch für technisch weniger versierte Nutzer nachvollziehbar ist.

Python empfiehlt sich, wenn Datenmengen groß werden, wenn maschinelles Lernen oder KI-Komponenten eingebunden werden sollen, oder wenn der Code in ein übergeordnetes System integriert werden muss. Python-Skripte lassen sich versionieren, testen und in professionelle Deployment-Pipelines einbinden – das ist in VBA aufwändig bis unpraktisch.

Die einfache Entscheidungshilfe aus meiner Praxis:

| Situation | Empfehlung |
|—|—|
| Bestehende Access/Excel-Lösung, die funktioniert | VBA beibehalten und pflegen |
| Neue Automatisierung, nur lokal, Office-Umgebung | VBA noch vertretbar |
| Prozess über mehrere Microsoft-Dienste | Power Automate |
| Große Datenmengen, KI-Integration, Teamentwicklung | Python |
| Mobiler Zugriff oder Cloud-first-Strategie | Power Platform oder externe Lösung |

Fazit: Ehrlichkeit statt Hype

VBA ist kein Werkzeug für die Zukunft – aber es ist ein Werkzeug für die Gegenwart vieler Unternehmen. Das Makro, das seit 15 Jahren täglich läuft, muss nicht ersetzt werden, nur weil es alt ist. Es muss dann ersetzt werden, wenn es die Anforderungen nicht mehr erfüllt, wenn das Risiko durch fehlende Dokumentation zu groß wird oder wenn neue Prozesse andere Technologien erfordern.

Als Datenschäfer halte ich es so: Ich setze das Werkzeug ein, das für den konkreten Job passt. Manchmal ist das VBA. Manchmal Power Automate. Manchmal beides zusammen. Und manchmal ist die ehrlichste Antwort: Das Makro von 2009 ist besser als alles, was ich heute neu bauen würde – also lass es laufen.

Wer seine bestehenden VBA-Lösungen bewertet, modernisieren oder in neue Automatisierungsstrukturen einbetten möchte, ist herzlich eingeladen, sich zu melden. Manchmal braucht es nur eine zweite Meinung.

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