Du hast für die Gelben Seiten eine eigene kleine Startseite gebaut. Für das nächste Branchenverzeichnis auch. Und vielleicht noch eine dritte für den Eintrag bei einem regionalen Portal. Jede dieser Seiten hat eine eigene Adresse, etwa sesoft.de/gs/, damit du im Nachhinein erkennst, wer über welchen Eintrag gekommen ist.
Das fühlt sich clever an. Ist es aber nur halb. Denn diese Mini-Startseiten kosten Pflegeaufwand, sehen für Google nach dünnen Doppelseiten aus, und sie verteilen die Aufmerksamkeit, die eigentlich auf deine echte Startseite gehört. Es gibt einen Weg, der die gleiche Frage beantwortet („woher kommt der Besucher?“), ohne dass du eine einzige zusätzliche Seite anlegst. Er heißt UTM-Parameter. Dieser Artikel erklärt ihn in drei Stufen, vom Grundprinzip bis zur Vollausstattung.
Was ein UTM-Parameter ist
Ein UTM-Parameter ist ein Stück Text, das du hinten an einen Link anhängst, um deinem Auswertungstool zu sagen, woher ein Besucher kommt. Mehr passiert technisch nicht. Es ist kein Pixel, kein Skript, keine Software. Es sind nur Zusatzangaben in der Adresse selbst.
Ein getaggter Link sieht so aus:
https://sesoft.de/?utm_source=gelbeseiten&utm_medium=referral
Alles ab dem Fragezeichen ist die Zusatzangabe. Die Seite öffnet sich völlig normal. Aber dein Auswertungstool liest mit: „Dieser Besucher kam von den Gelben Seiten.“ Der Name kommt übrigens von „Urchin Tracking Module“, einer Firma, aus der Google 2005 seine Analyse-Software gebaut hat. Deshalb verstehen heute praktisch alle Tools diese Angaben.
Es gibt fünf gängige Angaben, drei davon brauchst du wirklich:
- utm_source ist die konkrete Quelle:
gelbeseiten,gbp(für dein Google-Profil),newsletter. - utm_medium ist die Art des Kanals:
referral(Verweis von einer anderen Seite),organic(unbezahlt),email,cpc(bezahlte Klicks). - utm_campaign ist ein frei wählbarer Aktionsname:
fruehjahr2026. - utm_term und utm_content sind Feinheiten für Werbung und A/B-Tests. Die kannst du am Anfang ignorieren.
Warum dein Google-Eintrag im Bericht tot aussieht
Hier liegt der eigentliche Grund, warum sich UTM lohnt. Ohne Kennzeichnung landet ein Klick aus deinem Google-Eintrag oft im Topf „Direkt“, dem gleichen Eimer wie jemand, der deine Webadresse von Hand eintippt. Dein Profil sieht im Bericht dann tot aus, obwohl es genau das Ding war, das dir den Kunden geschickt hat.
Das ist gefährlich, weil du Budget-Entscheidungen auf Zahlen triffst, die dich anlügen. Der Kanal, der wirklich liefert, bekommt null Anerkennung, und du steckst Geld in den falschen. Ein UTM-Tag überschreibt die automatische Zuordnung und sagt dem Tool klipp und klar: dieser Besucher kam von hier.
Stufe 1: UTM bei Google Business Profile und Branchenverzeichnissen einsetzen
Der einfachste Anfang sind die Stellen, an denen du deine Website-Adresse selbst hinterlegst. Bei deinem Google-Eintrag, bei den Gelben Seiten, bei jedem Branchenverzeichnis. Statt dort die nackte Adresse einzutragen, trägst du die getaggte ein.
Lege dir vorher eine kleine Namenskonvention fest, damit es im Bericht später ordentlich aussieht. Halte die Werte kurz, klein geschrieben und ohne Umlaute:
- Google-Eintrag:
?utm_source=gbp&utm_medium=organic - Gelbe Seiten:
?utm_source=gelbeseiten&utm_medium=referral - Das Örtliche:
?utm_source=dasoertliche&utm_medium=referral - 11880:
?utm_source=11880&utm_medium=referral
Ob du beim Google-Eintrag organic oder etwas anderes nimmst, ist Geschmackssache. Wichtig ist nur, dass du es überall gleich machst. Eine einmal festgelegte Konvention ist wichtiger als die perfekte Konvention.
Der bessere Weg: kurze Links, UTM im Hintergrund
Jetzt zu deinem /gs/-Fall. Getaggte Adressen haben einen Schönheitsfehler: Sie sind lang und sperrig. Auf einer Visitenkarte, in einer Telefonansage oder in einem Printanzeige will niemand sesoft.de/?utm_source=gelbeseiten&utm_medium=referral abtippen. Eine kurze Adresse wie sesoft.de/gs/ ist da klar überlegen.
Die gute Nachricht: Du kannst beides haben. Behalte die kurze, merkbare Adresse, aber baue sie zu einer reinen Weiterleitung um, die im Hintergrund die getaggte Adresse ansteuert. Der Mensch sieht und tippt /gs/, das Auswertungstool bekommt die saubere Quellenangabe. Wenn du das Plugin Redirection von John Godley nutzt, brauchst du dafür nur eine Regel pro Verzeichnis.
Eine Weiterleitungsregel besteht aus drei Angaben: einer Quell-Adresse (die kurze), einer Ziel-Adresse (die getaggte) und einem HTTP-Code. Nimm 301, das bedeutet „dauerhaft umgezogen“:
Quell-URL: /gs/
Ziel-URL: https://sesoft.de/?utm_source=gelbeseiten&utm_medium=referral
Typ: 301 (dauerhaft)
Quell-URL: /go/
Ziel-URL: https://sesoft.de/?utm_source=gbp&utm_medium=organic
Typ: 301 (dauerhaft)
Entscheidend ist der Code 301. Er sagt Google: „Diese kurze Adresse ist keine eigene Seite, sondern verweist dauerhaft auf die echte.“ Damit löst sich dein Doppelseiten-Problem von selbst auf. Die /gs/-Seite ist dann keine zu pflegende Mini-Startseite mehr, sondern ein simples Sprungbrett.
Und genau hier sitzt der Punkt, der über reines Tracking hinausgeht. Zehn schwache Pseudo-Startseiten sind kein cleverer Trick, sondern zehn Mal verteilte Aufmerksamkeit. Suchmaschinen verteilen die Kraft einer Website auf ihre Seiten. Je mehr dünne Seiten du hast, desto weniger Gewicht bleibt für die eine Seite, die wirklich verkaufen soll. Eine saubere Adressstruktur mit einer starken Startseite und ein paar Weiterleitungen schlägt einen Wildwuchs aus dünnen Klonen, jedes Mal.
Stufe 2: UTM in Matomo richtig nutzen, und wo Matomo dich ausbremst
Wenn du wie viele datenschutzbewusste Betriebe Matomo statt Google Analytics einsetzt, gibt es eine Eigenheit, die du kennen musst, bevor du loslegst. Sonst wunderst du dich über deine Berichte.
Matomo erkennt UTM-Parameter von Haus aus. Aber im Standard bietet es nur zwei Auswertungs-Schubladen: einen Kampagnennamen und ein Keyword. Das heißt im Klartext: utm_source, utm_medium und utm_campaign werden alle drei in dieselbe Schublade „Kampagnenname“ geworfen. Sie werden also nicht getrennt ausgewertet. Matomo erkennt UTM-Parameter, wirft im Standard aber Quelle, Medium und Kampagne in einen einzigen Topf.
Daraus folgen zwei Wege:
Pragmatisch, ohne Zusatz-Plugin. Pack die Quelle einfach in den Kampagnennamen, also ?utm_campaign=gelbeseiten. Dann steht im Matomo-Bericht unter „Kampagnen“ sauber gelbeseiten, und du siehst auf einen Blick, welcher Eintrag was bringt. Für die meisten kleinen Betriebe reicht das völlig.
Sauber, mit getrennter Auswertung. Installiere das kostenlose Matomo-Plugin „MarketingCampaignsReporting“. Damit bekommst du bis zu sechs getrennte Schubladen (Name, Quelle, Medium, Keyword, Inhalt, Kampagnen-ID), und Matomo erkennt automatisch alle gängigen UTM-Angaben. Erst dann kannst du Quelle und Medium getrennt auswerten, so wie man es aus Google Analytics kennt.
In beiden Fällen findest du die Auswertung in Matomo unter „Akquise“ und dort im Bereich „Kampagnen“. Mehr musst du nicht konfigurieren. Es gibt keinen versteckten Schalter, den du erst umlegen müsstest, damit UTM grundsätzlich funktioniert.
Stufe 3: Wenn du Google Analytics oder andere Tools nutzt
Kurz und knapp, falls du nicht Matomo, sondern Google Analytics 4 oder ein anderes großes Tool einsetzt: Dort werden Quelle, Medium und Kampagne von vornherein getrennt ausgewertet. Du musst nichts nachrüsten. Du baust deine getaggten Adressen am bequemsten mit dem kostenlosen „Campaign URL Builder“ von Google, trägst Quelle, Medium und Kampagne in die Felder ein, und das Werkzeug spuckt die fertige Adresse aus. Diese Adresse hinterlegst du dann genau wie oben beschrieben, entweder direkt im Verzeichnis oder per Weiterleitung hinter einer kurzen Adresse.
Das Prinzip bleibt über alle Tools hinweg identisch. Tag einmal sauber, halte die Namen konsequent gleich, und vergleiche danach in Ruhe, welcher Kanal wirklich liefert.
Wo UTM an Grenzen stößt
Damit du keine falschen Erwartungen aufbaust, hier die ehrlichen Grenzen.
UTM funktioniert nur bei Links, die jemand anklickt. Tippt ein Kunde deine Adresse von Hand ab oder ruft direkt an, geht die Herkunft verloren. Deshalb bleibt eine simple Frage am Telefon, „wie haben Sie uns gefunden?“, einer der zuverlässigsten Datenpunkte, den du hast. Software übersieht Dinge, Menschen weniger.
UTM-Angaben sind außerdem für jeden in der Adresszeile sichtbar. Schreib dort niemals etwas Sensibles oder Personenbezogenes rein. Quellennamen ja, Kundendaten nein.
Und ein häufiger Irrtum zum Schluss: UTM-Parameter haben in der Google Search Console nichts zu suchen. Die Search Console misst, mit welchen Suchanfragen du in der Google-Suche rankst, nicht woher deine Besucher kommen. Schlimmer noch: Wenn getaggte Adressen für Google auffindbar werden, kann er sie als eigene Seiten missverstehen. Genau deshalb gehören UTM-Adressen hinter eine 301-Weiterleitung und nirgends in deine interne Verlinkung.
Was das für dich heißt
Du musst kein Entwickler sein, um das umzusetzen. Im Kern sind es drei Handgriffe: eine kleine Namensliste für deine Kanäle festlegen, die getaggten Adressen entweder direkt in den Verzeichnissen eintragen oder per Weiterleitung hinter kurze Adressen legen, und in deinem Auswertungstool einmal in den Kampagnen-Bereich schauen.
Der Gewinn ist nicht „mehr Daten“, sondern ehrlichere Daten. Du erkennst, welcher Eintrag dir tatsächlich Kunden bringt, und kannst aufhören, in den falschen Kanal zu investieren. Und du wirst die Pseudo-Startseiten los, die dir bisher nur Arbeit gemacht und deine echte Seite geschwächt haben.
Wer seine Verzeichnisse, Weiterleitungen und Auswertung einmal sauber aufsetzen lassen möchte, statt es zwischen Tür und Angel selbst zusammenzustückeln, erreicht mich über sesoft.de/kontakt.
Quellen
- Matomo, „Does Matomo support Google Analytics campaign parameters?“: https://matomo.org/faq/general/faq_119/
- Matomo-Plugin „Marketing Campaigns Reporting“: https://plugins.matomo.org/MarketingCampaignsReporting
- Matomo, „The ultimate URL parameter playbook“: https://matomo.org/blog/2025/11/url-parameter/
- Redirection (WordPress-Plugin von John Godley): https://redirection.me/
- Google Campaign URL Builder: https://ga-dev-tools.google/campaign-url-builder/
Über den Autor
Sönke Schäfer ist selbstständiger IT-Berater und Datenarchitekt aus Sierksdorf in Ostholstein. Er hilft norddeutschen KMU seit über 25 Jahren dabei, gewachsene Datenbestände, Websites und Auswertungen sauber zusammenzuführen, von Microsoft Access und SQL Server bis zur richtigen Adressstruktur in WordPress. Sein Grundsatz: Struktur vor Automatisierung. Eine saubere Ordnung schlägt jeden cleveren Einzeltrick.



