Dein Kontaktformular war mal besser gefüllt. Die Website steht seit Jahren, Google war mal ein verlässlicher Zulieferer, und jetzt tröpfelt es nur noch. Du hörst von „KI-Suche“ und „AI Overviews“, bist aber unsicher, ob das wirklich dich betrifft oder nur die großen Medienhäuser, über die im Fernsehen berichtet wird.
Es betrifft dich. Und zwar genau jetzt.
Was ist gerade passiert mit Google?
56 Prozent aller Google-Suchen auf dem Desktop enden ohne einen einzigen Klick auf eine externe Website. Die Nutzer bleiben bei Google, bekommen ihre Antwort direkt im KI-Kasten oben auf der Seite und gehen. Die Zahl stammt aus dem Q4-2025-Report von Datos und SparkToro, der auf Verhaltensdaten von Millionen echten Nutzern beruht — es ist keine Branchen-Panik, sondern gemessenes Verhalten.
Für dich heißt das: Selbst wenn du bei Google auf Platz eins stehst, sehen dich viele Sucher nicht mehr. Google beantwortet die Frage selbst und behält den Besucher.
Der SEO-Analyst Cyrus Shepard hat das in einem lesenswerten Artikel „Google Zero“ genannt — die Vorstellung, dass Google irgendwann schlicht aufhört, nennenswert Traffic an externe Seiten weiterzugeben. Für Publisher ist das existenzbedrohend. Für kleine Betriebe in der Region ist es weniger dramatisch, aber es verändert, welche Art von Inhalten auf der eigenen Website überhaupt noch wirken.
Warum das gerade die Kleinen trifft — und warum sie trotzdem nicht verloren sind
Der größte Fehler in Panik-Diskussionen: Man tut so, als wäre der Ausweg ein riesiges Content-Team oder sechsstellige KI-Investitionen. Das stimmt für niemanden unter hundert Mitarbeitenden.
Die Wahrheit ist unangenehmer und gleichzeitig tröstlicher: Wer generische Blogbeiträge schreibt („5 Tipps für ein sauberes Bad“, „Was macht ein guter Elektriker?“), hatte ohnehin nie eine Chance, weil tausend andere dasselbe tun. Das war vor drei Jahren schon so, nur hat Google damals noch aus Verzweiflung irgendwen davon nach vorn sortiert. Heute beantwortet es die Frage selbst. Das Spielfeld für Mittelmaß-Inhalte ist verschwunden.
Was überlebt, sind Inhalte mit einer von vier Eigenschaften: eigene Erfahrung, eigene Daten, lokale Verankerung oder echte Handlung (nicht nur Information). Shepard hat 17 solcher Content-Typen zusammengetragen. Für Ostholstein kommen drei weitere dazu, die in seiner US-zentrierten Liste fehlen. Macht 20.
Die 20 Content-Typen im Überblick
Die folgende Tabelle sortiert die Typen nach Überlebensstärke im Zero-Click-Zeitalter und nach Aufwand. „Stärke“ heißt: wie gut der Typ gegen KI-Zusammenfassungen und Google-Direktantworten standhält. „Aufwand“ heißt: was du selbst investieren musst, bevor es wirkt.
| # | Content-Typ | Stärke | Aufwand | Was es ist |
|---|---|---|---|---|
| 1 | Eigener Verteiler (Newsletter, WhatsApp-Liste) | Sehr stark | Hoch | Du erreichst deine Kunden direkt, ohne Google dazwischen |
| 2 | Handlungs-Seiten (Buchung, Bestellung, Termin) | Sehr stark | Hoch | Seiten, auf denen der Nutzer etwas tun kann, nicht nur lesen |
| 3 | Eigene Daten und Studien | Stark | Hoch | Auswertungen aus deinem Betrieb, die sonst niemand hat |
| 4 | Nutzer-Communities und Foren | Stark | Hoch | Aufgebaute Treffpunkte, die Leute direkt ansteuern |
| 5 | Eigene Videos oder Podcasts | Stark | Hoch | Du als Person oder deine Marke als wiedererkennbares Format |
| 6 | Produkttests und Vergleiche mit Nachweis | Stark | Hoch | Du testest selbst, dokumentierst mit Fotos und Messwerten |
| 7 | Marken- und Vertrauensseiten (Über uns, Team, Werte) | Stark | Niedrig | Was du über dich selbst sagst — Grundlage für KI-Vertrauen |
| 8 | Interaktive Tools und Rechner | Mittel | Hoch | Website-Elemente, die auf Nutzereingabe reagieren |
| 9 | Verzeichnisse und Datenbanken | Mittel | Hoch | Gepflegte Listen mit eigenem Mehrwert, nicht abgekupfert |
| 10 | Experten-Perspektive | Mittel | Mittel | Deine fachliche Einordnung zu aktuellen Entwicklungen |
| 11 | Vorlagen und Checklisten | Mittel | Mittel | Herunterladbare Muster, die Nutzer sofort einsetzen können |
| 12 | Fallstudien | Mittel | Mittel | Vorher-Nachher aus echten Kundenprojekten mit Zahlen |
| 13 | Eigene Berichterstattung | Mittel | Hoch | Exklusive Meldungen aus deinem Fachgebiet oder deiner Region |
| 14 | Support- und Dokumentations-Seiten | Mittel | Niedrig | Anleitungen, FAQ, Hilfe — auch für KI-Zitate wichtig |
| 15 | Ratgeber und Erklärtexte | Schwach | Mittel | Grundlagen-Erklärungen — nur mit echter eigener Tiefe haltbar |
| 16 | FAQ und Glossare | Schwach | Niedrig | Begriffsdefinitionen — nur als Branchenstandard verteidigbar |
| 17 | Listen und Bestenlisten | Schwach | Niedrig | „Top 10″-Inhalte — nur mit eigenem Testverfahren noch tragfähig |
| 18 | Lokale Autoritäts-Seiten (Ort + Leistung) | Stark | Mittel | Eigene Seite pro Ort und Leistung, die du dort erbringst |
| 19 | Stammdaten-Pflege (Google Business, Branchenverzeichnisse) | Stark | Niedrig | Strukturierte Grunddaten, aus denen KI-Systeme zitieren |
| 20 | Regionale Erwähnungen und Kooperationen | Stark | Mittel | Nennungen in IHK, Wirtschaftsförderung, lokaler Presse, Vereinen |
Die drei fett markierten Typen (18–20) sind die regionalen Ergänzungen, um die es im Rest dieses Beitrags geht.
Die drei regionalen Zusatz-Typen im Detail
Typ 18: Lokale Autoritäts-Seiten
Was es ist: Pro Ort und pro Leistung eine eigene, echte Seite. Nicht ein 20-faches Copy-Paste desselben Textes mit ausgetauschtem Ortsnamen — das erkennt Google sofort und straft ab. Sondern: Eine Seite „Heizungsinstallation Grömitz“ mit konkreten Projekten aus Grömitz, einem Foto des Bauvorhabens im Kurpark-Umfeld, einer Bemerkung zur Besonderheit alter Strandhaus-Heizungsanlagen.
Warum das funktioniert: KI-Systeme und Google-Suche brauchen klare Orts-Zuordnungen, um bei lokalen Anfragen überhaupt zu zitieren. Wer „Sanitärbetrieb Fehmarn“ googelt, bekommt keine AI-Overview-Zusammenfassung, sondern eine Karte mit lokalen Treffern. Und in der AI-Antwort der ChatGPT-App werden die genannt, die als lokale Quelle erkennbar sind.
Aufwand realistisch: Für einen Handwerksbetrieb mit fünf bedienten Ortschaften sind das fünf Seiten à 300–500 Wörter plus Fotos. Einmal ordentlich geschrieben, hält das Jahre.
Typischer Fehler: Zehn Orte auflisten, die man nie bedient hat, um „überall zu ranken“. Das funktioniert nicht mehr und schadet der Domain-Reputation.
Typ 19: Stammdaten-Pflege
Was es ist: Der langweiligste Typ auf der Liste und zugleich einer der wirkungsvollsten. Es geht um die Basisdaten deines Betriebs in allen Verzeichnissen, in denen KI-Systeme nachschlagen:
- Google Business Profile (ehemals Google My Business)
- Bing Places
- Apple Business Connect
- Branchenverzeichnisse (Gelbe Seiten, Das Örtliche, Cylex)
- IHK-Unternehmensverzeichnis
- OpenStreetMap
- Wikipedia-Einträge zu deinem Ort, falls du dort als Institution relevant bist
Überall dieselben Angaben: Name, Adresse, Telefonnummer, Öffnungszeiten, Leistungsbeschreibung. Identisch bis auf den Buchstaben.
Warum das funktioniert: KI-Systeme mögen Konsistenz. Wenn dein Betrieb in fünf Verzeichnissen unterschiedliche Adressen hat, traut die KI keinem davon und zitiert dich nicht. Wenn alle fünf gleich sind, wirst du zur zitierfähigen Quelle.
Aufwand realistisch: Ein bis zwei Tage einmalig, dann zwei Stunden pro Quartal Pflege. Kein Budget nötig, nur Sorgfalt.
Warum das fast niemand macht: Weil es keine sichtbare Belohnung gibt, die man am Freitagnachmittag feiern könnte. Es ist Buchhaltung, nicht Marketing. Aber es ist die Grundlage, auf der alle anderen Typen erst wirken.
Typ 20: Regionale Erwähnungen und Kooperationen
Was es ist: Dass andere Seiten in deiner Region dich nennen und verlinken. Nicht in gekauften Link-Netzwerken, sondern in echten Zusammenhängen: ein Gastbeitrag im IHK-Magazin, eine Erwähnung auf der Seite der Wirtschaftsförderung Ostholstein, ein Interview im lokalen Wochenblatt, ein Kooperationshinweis auf der Seite eines Partnerbetriebs in Neustadt, Eutin oder Lübeck.
Warum das funktioniert: Rand Fishkin von SparkToro hat in einer Auswertung gezeigt, dass KI-Systeme wie ChatGPT und Perplexity sich stark daran orientieren, wer in etablierten Publikationen erwähnt wird. Für bundesweite Player sind das FAZ und Handelsblatt. Für regionale Player ist das die regionale Entsprechung: Lübecker Nachrichten, IHK Lübeck, HanseBelt, Aktivregion Ostholstein. Jede Erwähnung ist eine Stimme, die der KI sagt: „Dieser Betrieb existiert wirklich und wird von seriösen Stellen zitiert.“
Aufwand realistisch: Schwieriger zu beziffern, weil es Zeit in Beziehungspflege ist. Eine Veranstaltung der IHK besuchen, mit dem Redakteur des Lokalblatts beim Kaffee sprechen, einem befreundeten Betrieb einen Gastbeitrag anbieten. Das ist keine Technik, das ist Ostholstein.
Typischer Fehler: Sich auf „Linkbuilding-Dienstleister“ aus dem Internet einzulassen, die Erwähnungen in dubiosen Verzeichnissen versprechen. Google und die großen KI-Systeme erkennen diese Netze, und der Schaden überwiegt jeden Gewinn.
Was davon solltest du als kleiner Betrieb zuerst angehen?
Wenn das Budget klein ist und die Zeit knapp, ergibt es wenig Sinn, alle 20 Typen parallel anzustoßen. Eine realistische Reihenfolge aus meiner Beratungspraxis im norddeutschen Mittelstand:
- Stammdaten-Pflege (Typ 19). Zwei Tage. Kein Geld. Wirkt sofort.
- Marken- und Vertrauensseiten (Typ 7). Über-uns-Seite, Team-Seite, Impressum sauber. Foundation für alles andere.
- Drei bis fünf lokale Autoritäts-Seiten (Typ 18). Pro Kernort und Kernleistung eine echte Seite.
- Eine Handlungs-Seite (Typ 2). Ein konkreter Schritt, den Nutzer auf deiner Website tun können — Termin buchen, Angebot anfordern, Formular ausfüllen.
- Regionale Beziehungspflege beginnen (Typ 20). Langfristig, läuft nebenher.
Erst wenn diese fünf stehen, lohnt es sich, über Newsletter, Videos, eigene Daten oder Case Studies nachzudenken. Alles andere ist Fundamentfrage.
Die ehrliche Einschränkung
Diese Liste ersetzt kein Gespür für deine eigene Branche und keine Anfangs-Analyse deiner jetzigen Website. Manche Betriebe brauchen vor allem besseres Fotomaterial, andere haben ein strukturelles Problem mit ihrer Branche an sich, bei dem auch die beste Content-Strategie nicht mehr viel rettet. Und wer seit fünf Jahren keinen einzigen Blogartikel geschrieben hat, fängt nicht mit „eigene Daten auswerten“ an, sondern mit „Impressum aktualisieren und Telefonnummer prüfen“.
Ich habe ausdrücklich keine Zahlen versprochen. Wer dir sagt „Mit diesen 20 Typen verdoppelst du deine Anfragen in sechs Monaten“, verkauft dir Lotterielose. Realistisch ist: Wer nichts macht, verliert weiter. Wer das Fundament legt, hält seine Position. Wer darüber hinaus Substanz produziert, gewinnt über Jahre hinweg Marktanteile von denen, die nichts tun — und das sind in Ostholstein noch immer die meisten.
Für jemanden, der das nicht selbst baut
Wenn du beim Lesen gedacht hast „verstehe ich, aber ich weiß nicht, wo ich bei uns im Betrieb anfangen soll“ — das ist der Normalfall. Die 20 Typen sind keine Aufgabenliste für einen Nachmittag, sondern eine Landkarte. Der schwierige Teil ist die Entscheidung, welche fünf Typen für deinen spezifischen Betrieb in Ostholstein zuerst sinnvoll sind. Das hängt von Branche, Website-Zustand, bestehenden Verzeichniseinträgen und deinem internen Team ab.
Wer sich das einmal anschauen lassen möchte, erreicht mich über sesoft.de/kontakt. Ein Erstgespräch dazu ist kostenlos und führt entweder zu einer konkreten Empfehlung oder zu dem Hinweis, dass dein Betrieb sich um andere Dinge zuerst kümmern sollte — beides ist ein Gewinn.
Quellen und weiterführende Links
- Cyrus Shepard: 17 Content Types to Survive Google’s Zero-Click Future, Zyppy Signal, 21. April 2026 — signal.zyppy.com/p/content-google-zero
- Datos & SparkToro: State of Search Q4 2025 Report — datos.live/report/state-of-search-q4-2025
- Anicca: The State of Search in 2025: Key Takeaways from the Datos & SparkToro Q4 Report (Zusammenfassung des Webinars vom 11. Februar 2026) — anicca.co.uk
- Searchable: Zero-Click Search Optimisation: Winning Visibility Without Traffic — searchable.com/blog/zero-click-optimisation
- Nilay Patel: Welcome to Google Zero (ursprüngliche Begriffsprägung) — The Verge
PS: Bei den Content-Typen 2 (Handlungs-Seiten), 8 (interaktive Tools und Rechner) und 9 (Verzeichnisse) gibt es eine Entwicklung, die den Beitrag sonst sprengen würde: Diese drei waren für kleine Betriebe bisher wirtschaftlich kaum machbar. Ein eigenes Buchungssystem, ein Konfigurator für die eigenen Produkte, eine durchsuchbare Objektdatenbank — das war klassisches Agenturgeschäft mit fünfstelligen Budgets und Monaten Projektlaufzeit. KI-gestützte Entwicklung hat das grundlegend verändert. Was früher ein großes Projekt war, baue ich heute als Custom-WordPress-Plugin in einem realistischen Rahmen für den Mittelstand. Die Daten bleiben auf deinem Server, nicht in einer US-Cloud. Wenn dich einer dieser drei Typen interessiert, sprich mich an.



