Welche Tools gibt es — und welches passt zu Ihnen?
Wer nicht weiß, was im Netzwerk läuft, kann nicht beurteilen, ob es noch sicher ist. Ein Überblick über Inventarisierungslösungen — von kostenlos bis Enterprise.
Warum Inventarisierung kein Technik-Thema ist, sondern Chefsache
Ich erlebe es in fast jedem KMU, das ich betreue: Es gibt keinen vollständigen Überblick über die eingesetzte Hard- und Software. Irgendwo steht eine Excel-Liste, die seit drei Jahren nicht angefasst wurde. Der IT-Dienstleister „weiß das schon“. Und auf dem Server im Keller läuft ein SQL Server, dessen Versionsnummer niemand kennt.
Das war früher ein organisatorisches Ärgernis. Heute ist es ein Haftungsrisiko.
Die DSGVO verlangt in Art. 32, dass technische Schutzmaßnahmen dem „Stand der Technik“ entsprechen. Wer nicht weiß, welche Software-Versionen im Einsatz sind, kann nicht nachweisen, dass diese Anforderung erfüllt ist. Und die Geschäftsführung haftet persönlich dafür (§ 43 GmbHG).
Der erste Schritt zur Absicherung ist immer derselbe: Wissen, was läuft. Dafür gibt es spezialisierte Software — von kostenlosen Open-Source-Lösungen bis hin zu Enterprise-Plattformen, die auf SQL Server basieren und ganze Konzerne inventarisieren.
Unser kostenloser IT-Haftungscheck zeigt Ihnen in drei Minuten, ob Ihre Software noch mit Sicherheitsupdates versorgt wird. Aber damit der Check aussagekräftig ist, müssen Sie zunächst wissen, welche Versionen bei Ihnen laufen. Genau dabei helfen Inventarisierungstools.
Was eine gute Inventarisierungslösung können muss
Bevor wir in die einzelnen Tools einsteigen, hier die Kernfragen, die eine Lösung beantworten sollte:
Welche Hardware steht wo? Rechner, Server, Drucker, Netzwerkgeräte — mit Seriennummer, Alter, Garantiestatus.
Welche Software ist installiert — und in welcher Version? Das ist der kritische Punkt für die DSGVO-Compliance. Sie müssen wissen, ob Ihr SQL Server 2014, 2016 oder 2022 ist. Ob Office 2016 oder Microsoft 365 läuft. Ob die PHP-Version auf dem Webserver noch gepflegt wird.
Werden Änderungen erkannt? Wenn jemand Software installiert oder deinstalliert, sollte das protokolliert werden.
Wie werden die Daten gespeichert? Manche Tools nutzen eine eigene Datenbank, manche speichern alles in einem SQL Server — was für Auswertungen und Verknüpfungen mit anderen Systemen ideal ist. Andere setzen auf Cloud-Datenbanken.
Braucht es einen Agenten auf jedem Rechner? Agentenbasierte Lösungen sind genauer, agentenlose einfacher auszurollen. Manche Tools bieten beides.
Die Tools im Überblick
Open Source und kostenlos
GLPI ist die umfassendste kostenlose Lösung. Ursprünglich als Ticketsystem gestartet, hat es sich zu einer vollwertigen IT-Asset-Management-Plattform entwickelt. GLPI inventarisiert Hardware und Software, verwaltet Lizenzen, Verträge und Garantien, und bietet ein integriertes Helpdesk. Die Einrichtung erfordert einen Linux-Server mit PHP und MySQL/MariaDB. Die Lernkurve ist steil, aber die Funktionstiefe beeindruckend — und es kostet keinen Cent. In Kombination mit dem Agenten von FusionInventory (oder dessen Nachfolger GLPI Agent) werden Clients automatisch gescannt.
OCS Inventory NG ist der Klassiker unter den Open-Source-Inventarisierungslösungen. Der Server läuft auf Linux, die Agenten gibt es für Windows, Linux, macOS und Android. OCS scannt Hardware und Software und kann sogar Software-Pakete verteilen. Die Oberfläche wirkt etwas angestaubt, aber unter der Haube steckt ein ausgereiftes System, das auch in größeren Umgebungen funktioniert. OCS lässt sich hervorragend mit GLPI kombinieren — OCS sammelt die Daten, GLPI verwaltet sie.
Snipe-IT richtet sich an Unternehmen, die ihre IT-Assets eher wie ein Inventar verwalten wollen: mit Standorten, Zuordnungen zu Mitarbeitern, Garantie-Tracking und QR-Code-Labels. Snipe-IT läuft auf Linux mit PHP und MySQL und ist besonders gut geeignet, wenn Sie Hardware und Zubehör lückenlos nachverfolgen wollen. Für die automatische Software-Inventarisierung ist es weniger geeignet — hier braucht es ergänzende Tools.
Open-AudIT Community Edition scannt Netzwerke agentenlos per WMI (Windows) und SSH (Linux) und liefert eine übersichtliche Web-Oberfläche mit Berichten. Die kostenlose Community-Version ist funktional eingeschränkt, reicht aber für kleinere Umgebungen. Die kommerzielle Enterprise-Edition bietet deutlich mehr Automatisierung und Reports.
Kommerziell — für den Mittelstand
Lansweeper ist seit Jahren der Platzhirsch bei der agentenlosen Netzwerk-Inventarisierung. Lansweeper scannt Windows-, Linux- und macOS-Rechner, Netzwerkgeräte, Drucker und mehr — und liefert über 300 vorgefertigte Berichte. Die Daten können in einer SQL-Server-Datenbank gespeichert werden, was individuelle Auswertungen per SQL ermöglicht. Es gibt eine kostenlose Version für bis zu 100 Assets. Die kostenpflichtigen Pläne beginnen bei ca. 239 USD/Monat (jährlich).
PDQ Inventory + PDQ Deploy ist die Kombination, die bei vielen Systemhäusern in Deutschland Standard ist. PDQ Inventory scannt Windows-Rechner im Netzwerk und zeigt installierte Software, Versionen, Patch-Stand und Hardware-Details. PDQ Deploy ergänzt das um die automatische Verteilung von Updates — auch für Nicht-Microsoft-Software. Die kostenlose Version von PDQ Inventory reicht für eine einmalige Bestandsaufnahme. Die Vollversion kostet ca. 1.000 USD/Jahr pro Admin.
Docusnap ist eine deutsche Lösung aus Regensburg, die sich besonders an IT-Dienstleister und mittelständische IT-Abteilungen richtet. Docusnap inventarisiert agentenlos Windows, Linux, SNMP-Geräte — und als Besonderheit auch SQL-Server-Instanzen mit Datenbanken, Tabellen, Berechtigungen und Prozeduren. Alle Daten landen in einer SQL-Server-Datenbank (CMDB), aus der sich automatisch Netzwerkpläne, Berechtigungsanalysen und IT-Konzepte generieren lassen. Docusnap gibt es als lokale Installation (Kauf oder Miete) und als Cloud-Version (Docusnap365). Die Lizenzierung richtet sich nach der Anzahl der Arbeitsstationen und Server. Testversion 30 Tage kostenlos.
LOGINventory ist ebenfalls eine deutsche Lösung, die auf Windows und SQL Server basiert. Sie inventarisiert Hardware, Software und Lizenzen und bietet ein integriertes Lizenzmanagement — nützlich, wenn Sie neben der Sicherheit auch die Lizenz-Compliance im Blick haben wollen. LOGINventory läuft ohne Agenten und speichert alles in einer SQL-Server-Datenbank.
Microsoft Intune ist keine klassische Inventarisierungslösung, sondern ein Cloud-basiertes Endpoint-Management. Aber es liefert als Nebenprodukt eine vollständige Inventarliste aller verwalteten Geräte — inklusive installierter Software und Versionen. Wer bereits Microsoft 365 Business Premium oder Enterprise nutzt, hat Intune unter Umständen schon in der Lizenz enthalten. Intune eignet sich besonders für Unternehmen mit Homeoffice und mobilen Geräten.
Enterprise
Microsoft SCCM / Configuration Manager (jetzt Teil der Intune-Familie) ist die Enterprise-Lösung für große Umgebungen ab mehreren Hundert Clients. Mächtig, komplex, teuer. Für die meisten KMU überdimensioniert.
i-doit ist eine deutsche CMDB-Lösung, die in einer Community-Edition (Open Source) und einer Pro-Edition (kommerziell) existiert. i-doit eignet sich besonders als zentrale Dokumentationsplattform, die Daten aus verschiedenen Quellen (OCS Inventory, GLPI, Nagios, etc.) zusammenführt.
Vergleichstabelle
| Lösung | Typ | Agentenlos | SQL-Server als DB | SQL-Server-Inventarisierung | Kosten | Geeignet für |
|---|---|---|---|---|---|---|
| GLPI + GLPI Agent | Open Source | Nein (Agent) | Nein (MySQL) | Nein | Kostenlos | 10–500 Clients, wenn Linux-Know-how vorhanden |
| OCS Inventory NG | Open Source | Nein (Agent) | Nein (MySQL) | Nein | Kostenlos | 10–1.000+ Clients, gut mit GLPI kombinierbar |
| Snipe-IT | Open Source | Manuell | Nein (MySQL) | Nein | Kostenlos | Hardware-Inventar, Zubehör-Tracking |
| Open-AudIT Community | Open Source / Freemium | Ja (WMI/SSH) | Nein (MySQL) | Nein | Kostenlos (Community) | Kleine Netzwerke, schneller Überblick |
| PDQ Inventory | Kommerziell | Ja (WMI) | Nein (eigene DB) | Nein | Kostenlos (Free) / ab ca. 1.000 USD/Jahr (Pro) | 10–500 Windows-Clients |
| Lansweeper | Kommerziell | Ja | Ja (SQL Server) | Teilweise | Kostenlos bis 100 Assets / ab 239 USD/Monat | 50–5.000 Clients, starke Reports |
| Docusnap | Kommerziell (DE) | Ja | Ja (SQL Server) | Ja, inkl. Datenbanken, Tabellen, Rechte | Lizenz nach Netzwerkgröße (Kauf oder Miete) | 20–2.000 Clients, IT-Dienstleister |
| LOGINventory | Kommerziell (DE) | Ja | Ja (SQL Server) | Teilweise | Lizenz nach Netzwerkgröße | 20–1.000 Clients, Lizenzmanagement |
| Microsoft Intune | Cloud (SaaS) | Agent (auto) | Nein (Cloud) | Nein | In M365 Business Premium enthalten / ab ca. 7 €/User/Monat | Unternehmen mit M365, Homeoffice, mobile Geräte |
| i-doit Community | Open Source / Kommerziell | Manuell / Import | Ja (MySQL oder MariaDB) | Über Import | Kostenlos (Community) / Pro ab Anfrage | Zentrale CMDB, Dokumentation |
| SCCM / ConfigMgr | Enterprise | Ja (Agent) | Ja (SQL Server) | Ja | Lizenz über M365 E3/E5 | 500+ Clients, Enterprise |
Meine Einschätzung: Welches Tool für welche Situation?
Sie haben 3–10 Rechner, keinen eigenen Server, keinen Admin: Machen Sie die Bestandsaufnahme einmalig von Hand — mit den Bordmitteln, die ich in meinem Beitrag „Welche Software läuft eigentlich in meinem Unternehmen?“ beschrieben habe. Tragen Sie alles in eine Excel-Tabelle ein. Fertig.
Sie haben 10–50 Rechner und einen IT-Dienstleister: Bitten Sie Ihren Dienstleister um einen aktuellen Inventar-Report. Falls er keinen liefern kann, ist PDQ Inventory (Free) oder Lansweeper (Free bis 100 Assets) in einer Stunde eingerichtet und liefert sofort Ergebnisse.
Sie haben 50–300 Rechner und eine eigene IT-Abteilung: Hier lohnt sich eine dauerhafte Lösung. Docusnap oder Lansweeper sind die besten Optionen für den deutschen Mittelstand — insbesondere Docusnap, wenn Sie SQL-Server-Instanzen im Einsatz haben und diese mit inventarisieren wollen. Wer Open Source bevorzugt: GLPI + GLPI Agent ist die mächtigste kostenlose Alternative, erfordert aber Linux-Kenntnisse.
Sie nutzen bereits Microsoft 365 Business Premium: Prüfen Sie, ob Microsoft Intune in Ihrer Lizenz enthalten ist. Wenn ja, haben Sie die Inventarisierung quasi geschenkt — müssen aber die Geräte einmalig registrieren.
Sie brauchen Unterstützung? Ich mache die Bestandsaufnahme für Sie.
Nicht jeder Geschäftsführer muss sich mit Inventarisierungstools beschäftigen. Wenn Sie einfach nur wissen wollen, wo Sie stehen, übernehme ich das gern:
Einmalige IT-Bestandsaufnahme vor Ort: Ich inventarisiere Ihre Hard- und Software, prüfe die Versionen gegen die Herstellerdaten und erstelle einen vollständigen IT-Haftungsrisiko-Report. Sie wissen danach schwarz auf weiß, wo Handlungsbedarf besteht — und haben gleichzeitig die Dokumentation, die Art. 32 DSGVO von Ihnen verlangt.
Dauer: Je nach Unternehmensgröße ein halber bis ein ganzer Tag. Keine laufenden Kosten, kein Abo — einmalig, übersichtlich, mit konkreten Handlungsempfehlungen.
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Über den Autor
Sönke Schäfer ist Geschäftsführer der SeSoft GmbH in Sierksdorf (Ostholstein) und arbeitet seit über 30 Jahren als IT-Berater und Datenarchitekt für den Mittelstand. Als ehemaliger IT-Leiter mit Verantwortung für 300 Anwender hat er IT-Inventarisierung, Patch-Management und Compliance-Dokumentation in der Praxis aufgebaut und verantwortet. Unter dem Namen „Datenschäfer“ unterstützt er KMU in Schleswig-Holstein und Norddeutschland bei der Modernisierung und Absicherung ihrer IT.
Schwerpunkte: Microsoft SQL Server, Access, Power Platform, Prozessautomatisierung, IT-Sicherheit für KMU.



