Wie ich in einem Nachmittag eine Ferienhaus-Website gebaut habe – und warum das für den Mittelstand spannend ist
Von Sönke Schäfer | April 2026 | Lesezeit: ca. 6 Minuten
Ich betreue zwei Ferienhäuser auf Fehmarn. Die bisherige Website lief auf WordPress – mit Theme, Plugins, Updates, Wartung. Das Übliche. Funktioniert, aber: Für eine Seite, die im Kern fünf statische Seiten und ein paar Bilder braucht, ist WordPress wie ein Sattelschlepper für den Wocheneinkauf.
Also habe ich ein Experiment gestartet: Eine komplette Website mit Astro und Claude – an einem Nachmittag. Das Ergebnis läuft unter fswb.sh und ist schneller, schlanker und günstiger als der WordPress-Vorgänger.
Hier ist, was ich dabei gelernt habe – und warum dieses Setup für viele KMU-Websites die bessere Wahl sein könnte.
Was ist Astro – und warum nicht einfach WordPress?
Astro ist ein modernes Web-Framework, das statische HTML-Seiten erzeugt. Kein PHP, keine Datenbank, kein Login-Bereich, den man absichern muss. Am Ende kommt ein Ordner mit HTML, CSS und Bildern heraus – fertig. Das lädt man per FTP auf einen beliebigen Webspace hoch.
Was Astro besonders macht:
- Geschwindigkeit: Kein JavaScript im Browser, wenn man keins braucht. Die Seite ist sofort da. Mein PageSpeed-Score liegt bei 100 für SEO und Best Practices – mobil und desktop.
- Sicherheit: Keine Datenbank, kein Admin-Panel, keine Plugin-Updates. Die Angriffsfläche ist praktisch null.
- Kosten: Läuft auf dem günstigsten Hetzner-Webspace. Kein managed WordPress, kein Elementor Pro, kein WP Rocket.
- SEO ab Werk: Sauberes HTML, schnelle Ladezeiten, meta tags und sitemap.xml sind in Minuten konfiguriert.
Heißt das, WordPress ist schlecht? Nein. WordPress ist richtig, wenn du einen Blog mit 500 Beiträgen betreibst, einen Shop hast, regelmäßig Inhalte per Editor ändern willst oder ein Team von Redakteuren koordinierst.
Aber: Für die Mehrzahl der KMU-Websites – Handwerker, Praxen, Vermieter, Berater – reicht eine statische Seite völlig aus. Und genau da spielt Astro seine Stärken aus.
Wo Claude ins Spiel kommt
Jetzt wird es interessant. Astro ist ein Entwickler-Tool. Man schreibt Code – HTML-Templates, CSS, Konfigurationsdateien. Für jemanden, der bisher mit VBA und SQL Server arbeitet, ist das eine andere Welt.
Oder auch nicht – wenn man Claude dabei hat.
So lief mein Workflow:
- Claude (Chat) als Architekt: Ich habe Claude die Aufgabe beschrieben – zwei Ferienhäuser, Buchung über Urlando, bestehende Bilder und Texte. Claude hat die komplette Projektstruktur erstellt: Layout, Komponenten, Seiten, SEO-Meta-Tags, Sitemap, robots.txt. Alles in einem Rutsch als ZIP zum Herunterladen.
- Claude Code (CLI) als Handwerker: Beim lokalen Testen gab es Fehler – wie immer beim ersten Build. Die Claude CLI hat direkt in meinen lokalen Dateien die Probleme behoben. Fehlermeldung reinkopiert, fix bekommen, weiter.
- Claude (Chat) für Analyse: PageSpeed Insights laufen lassen, Ergebnis an Claude gegeben, konkretes Briefing für die nächste Optimierungsrunde bekommen.
Das Besondere: Ich musste Astro nicht vorher lernen. Ich habe es durch den Prozess gelernt – weil Claude den Code nicht nur schreibt, sondern erklärt, was er tut. Nach einem Nachmittag verstehe ich die Projektstruktur, kann selbst Seiten ergänzen und weiß, wie der Build-Prozess funktioniert.
Was das für den Mittelstand bedeutet
Ich arbeite seit Jahren mit KMU in Schleswig-Holstein. Die typische Situation: Die Website ist fünf Jahre alt, läuft auf WordPress, niemand traut sich an Updates ran, der Webdesigner von damals ist nicht mehr erreichbar, und PageSpeed zeigt orange bis rot.
Astro + Claude ändert die Gleichung:
Kosten: Eine statische Astro-Seite braucht den billigsten Webspace. Keine WordPress-Wartungspauschale, keine Plugin-Lizenzen, keine monatlichen Kosten für Page Builder. Hetzner Webspace kostet wenige Euro im Monat.
Tempo: Von der Idee zur Live-Website in Stunden statt Wochen. Claude generiert nicht nur Texte, sondern komplette, funktionsfähige Projekte mit echtem HTML, CSS und Astro-Komponenten.
Wartung: Eine statische Seite braucht keine Updates. Kein „Bitte aktualisiere WordPress 6.x“ mehr. Kein „Plugin XY hat ein Sicherheitsleck“. Was auf dem Server liegt, ist HTML – das funktioniert in zehn Jahren noch genauso.
SEO: Google liebt schnelle Seiten. Eine Astro-Seite mit optimierten WebP-Bildern und sauberem HTML schlägt die meisten WordPress-Installationen im PageSpeed – ohne jede Optimierung.
Lernkurve: Wer VBA oder SQL kann, hat das analytische Denken. Astro-Templates sind im Grunde HTML mit ein bisschen Logik obendrauf. Claude überbrückt den Rest.
Für wen eignet sich das konkret?
Dieses Setup passt, wenn:
- Die Website primär informiert (Leistungen, Kontakt, Bilder, vielleicht ein Blog)
- Inhalte sich selten ändern (ein paar Mal im Jahr, nicht täglich)
- Geschwindigkeit und Sicherheit wichtiger sind als ein visueller Editor
- Das Budget begrenzt ist – oder das Geld besser in Inhalte fließen soll statt in Technik
- Du als Unternehmer oder IT-Verantwortlicher selbst die Kontrolle behalten willst
Typische Branchen: Ferienvermietung, Handwerk, Beratung, Praxen, Vereine, kleine Agenturen, lokale Dienstleister.
Wie geht es weiter?
Für die Ferienhaus-Website fswb.sh plane ich jetzt wöchentlich neue SEO-Seiten – Ratgeber-Inhalte rund um Fehmarn, die organischen Traffic aufbauen. Strandguide, Wassersport-Tipps, Familienurlaub, Angeln. Jede Seite wird von Claude vorbereitet und von mir geprüft und ergänzt.
Das ist im Kern dasselbe Prinzip wie AI-gestütztes Content Marketing, das ich auch für andere KMU in Ostholstein anbiete – nur eben auf einem moderneren, schnelleren technischen Fundament.
Datenschäfer Fazit
WordPress bleibt ein großartiges System – für die richtigen Anwendungsfälle. Aber für die klassische KMU-Website mit fünf bis fünfzehn Seiten ist Astro + Claude die spannendere Alternative: schneller, günstiger, sicherer, und mit KI-Unterstützung auch für Nicht-Frontend-Entwickler machbar.
Wer neugierig ist: Das Ergebnis steht unter fswb.sh. Und wer über eine ähnliche Lösung für die eigene Website nachdenkt, kann sich gerne bei mir melden – ich berate ehrlich, ob Astro, WordPress oder etwas ganz anderes die richtige Wahl ist.
Sönke Schäfer ist Gründer der SeSoft GmbH in Ostholstein und unterstützt den Mittelstand bei Softwareentwicklung, Datenbanken, Automatisierung und Web-Projekten. Mehr unter sesoft.de.

P.S.: Wie schnell ist Ihre eigene Website eigentlich?
Google stellt mit PageSpeed Insights ein kostenloses Tool bereit, das Ihre Ladezeit analysiert und konkrete Verbesserungsvorschläge liefert. Das ist kein Spielzeug – die Ergebnisse fließen direkt in Ihr Google-Ranking ein. Seit den Core Web Vitals bewertet Google offiziell, wie schnell eine Seite lädt, wie stabil das Layout beim Laden bleibt und wie flüssig sich die Seite bedienen lässt. Eine langsame Website verliert also doppelt: Besucher springen ab (über 50 % bei mehr als 3 Sekunden Ladezeit), und Google stuft Sie in den Suchergebnissen herunter. Geben Sie Ihre URL einmal ein – das Ergebnis ist oft ernüchternd, aber der erste Schritt zur Verbesserung.


